Digital kompetent, kompetenter, am … :)

Als sich in 2018 sechs Organisationen an der Schnittstelle von Jugendarbeit, Jugendengagement, Jugendforschung und Jugendbildung zusammenrauften, um mit großzügiger Unterstützung von Erasmus+ Jugend in Aktion ein modulares Curriculum für digitale Jugendarbeit auf die Beine zu stellen, war Corona weit weg, und Digitalität wurde vielerort im Jugendbereich noch recht argwöhnisch beäugt. Fast forward drei Jahre, addiere eine Pandemie, subtrahiere eine Organisation – und unser siebenteiliges Curriculum trifft auf eine Welt, die ganz anders auf Digitales schaut. Wie verrückt! Warum, fragst du, haben wir das alles gemacht?

Unsere Idee in 3 Sätzen

Wir wollten und wollen digitale und nonformale Bildung zusammenzudenken. Dafür haben wir uns den Digitalkompetenzrahmen der Europäischen Union „DigComp 2.1“ geschnappt und darauf aufbauend ein modulares Trainingsangebot entwickelt. Wir möchten damit zu einem emanzipatorischen, mündigen und konstruktiven Blick auf Digitalisierung im Jugendbereich beitragen.

An wen richtet sich unser Curriculum?

Das Curriculum richtet sich zunächst an Trainer:innen, für die digitale Bildung mehr ist als die reine Vermittlung von Tools. Mit unseren erstellten Bildungsmaterialien zielen wir genauso auf die Vermittlung von praktischen Fähigkeiten ab wie auf eine gesellschaftspolitische Auseinandersetzung mit dem Prozess der Digitalisierung. Zielgruppe für die Umsetzung des Curriculums sind vornehmlich Jugendarbeiter:innen, die sich niedrigschwellig, also auch mit geringen Vorkenntnissen, mit Digitalisierung auseinandersetzen wollen.

Und worum geht es inhaltlich?

DigComp 2.1 besteht aus acht Kompetenzstufen, von Level 1 bis Level 8, und fünf Kompetenzbereichen – 1) Daten und Information 2) Kommunikation und Zusammenarbeit 3) Inhalts- und Medienentwicklung 4) Privatsphäre und Mündigkeit, und 5) Problemfindung und Lösungsentwicklung.

Für unser Projekt haben wir – ausgehend von einem Bericht der Expert:innengruppe für digitale Jugendarbeit – zusätzlich zwei weitere Kompetenzbereiche entwickelt: 6) Digitalität und Gesellschaft 7) Digitalität und Jugendarbeit.

Wie kannst du damit Bildungsarbeit machen?

Unser Anliegen ist, dass die Materialien so flexibel eingesetzt werden können wie möglich. Die Übungen sind deshalb keine in sich geschlossenen Workshops, sondern fokussieren sich auf den Hauptteil im klassischen Seminarphasenmodell, die Erarbeitungsphase. Um das jeweils rund zu machen, braucht es auf jeden Fall eine Rahmung durch Einstieg/Kontext und Abschluss/Reflexion. Mit solchen Rahmungen kannst du dann einen zweistündigen Workshop mit einer Übung ebenso bauen wie ein Tages- oder Wochenendseminar oder eine Workshopreihe. Über alle sieben Module hinweg sind 16 Bildungstage zusammengekommen – auch eine Serie von 8 zweitägigen Seminaren ist also gut zu machen!

Wie flexibel ist das alles?

Hab keine Scheu davor, Dinge neu zu kombinieren, wegzulassen, dazuzuerfinden! Bildungsarbeit gelingt am besten, wenn sie sowohl den Bedürfnissen der Trainer:innen als auch denen der Teilnehmer:innen entspricht! Damit das Remixen einfach ist, stehen die Materialien unter einer CC-BY SA 4.0 Lizenz. Du kannst sie also nach Belieben anpassen, verändern und verwenden, sofern du irgendwo Credits an uns, das Projekt Digitale Jugendarbeit, gebt und sie unter gleichen Lizenzbedingungen teilt.

Lust auf ein paar Zahlen?

Unser Curriculum umfasst sieben Trainer:innenhandbücher – eines für jeden der sieben Kompetenzbereiche. Über die 7 Kompetenzbereichen hinweg gibt es 29 Kompetenzen, und pro Kompetenz wiederum zwei Aufgaben á 90 bzw. 120 Minuten, jeweils eine zum Einstieg und eine zur Vertiefung. Insgesamt gibt es also 58 Übungen. Das Curriculum umfasst damit eine Dauer von 94 Stunden (44 Übungen á 90 Minuten, 14 Übungen á 120 Minuten) – ohne Einstiege und Abschlüsse.

Die Arbeitszeit, die in die Entwicklung geflossen ist, enthüllen wir an dieser Stelle nicht, einfach weil wir so müde sind, dass wir uns nur verrechnen würden. So viel sei verraten: Die mehr als 400 Seiten Inhalt wurden mit 11 grauen Haaren, 321 Mateflaschen, 53 Kilo Kaffee und 5 Liter Tränen, Schweiß und Blut bezahlt. Insgesamt haben mehr als 40 Menschen ca. 160 Kilo Hirnschmalz investiert. Dabei wurden schätzungsweise 140 Millionen Synapsen neuverknüpft.

Na dann mal los!

Und hier ist das Curriculum für euch – zunächst mal als pdfs der sieben Handbücher (hier in der aktuellen Version 1.1 vom 15. September 2021):

Modul 1 für Kompetenzbereich 1 » Daten und Information

Modul 2 für Kompetenzbereich 2 » Kommunikation und Zusammenarbeit

Modul 3 für Kompetenzbereich 3 » Inhalts- und Medienentwicklung

Modul 4 für Kompetenzbereich 4 » Privatsphäre und Mündigkeit

Modul 5 für Kompetenzbereich 5 » Problemfindung und Lösungsentwicklung

Modul 6 für Kompetenzbereich 6 » Digitalität und Gesellschaft

Modul 7 für Kompetenzbereich 7 » Digitalität und Jugendarbeit

Online- und Druckversionen haben wir natürlich auch in petto 🙂 Aber erst einmal verschnaufen wir ein paar Tage!

Möge sich auch bei euch die eine oder andere Synapse verknüpfen – viele erfüllende Bildungserlebnisse wünschen euch

aleX, Andreas, Anneliese, Daria, David, Erik, Friedemann, Gustav, Jakob, Marika, Marc, Mathias, Max, Ole, Simon, Theresa und Tom –

und unsere Teams und Organisationen: Digitale Jugendarbeit (DJA), Genesis Institut (GEN), Open Knowledge Foundation (OKF), Professional Open Youth Work in Europe (POYWE) und Youth Policy Labs (YPL).


Tausend Dank an die kreativen Köpfe, die unser Curriculum entwickelt haben: Alexandra Beweis, Andreas Karsten, Anneliese Mehlmann, David Gevers, Erik Dubs, Friedemann Schwenzer, Gustav Berneburg, Jakob Fuchs, Marika Welz, Marc Boes, Mathias Reymann, Maximilian Voigt, Ole Sievers, Theresa Walter und Tom Pincus.

Tausend Dank an die kreativen Köpfe, die unser Curriculum gestaltet haben: Daria Rüttimann, Gustav Berneburg, Jakob Fuchs, Simon Störk und Tom Pincus.

Tausend Dank an unsere Pilotinnen und Piloten, die gemeinsam mit uns unter pandemischen Umständen das Curriculum getestet haben: Alisa Ofner, Andrea Portmann, Claudia Schwegler, Clemens Ritter, Darya Maksimenko, Frank Jannack, Johanna Zimmermann, Karin Peham-Strauß, Katharina Altmayer, Lisa Klette, Lisa Lohrmann, Maria Sonnleithner, Marlen Berg, Martina Krattenmacher, Nele Schmidt, Olaf Roschke, Otmar Brandweiner, Patricia Fekete, Rebecca Brunner, Sarah Wilke und Sonja Rappold.

Und last but not least tausend Dank an Marlene Mayer und Sabine Jansen von Jugend für Europa, der Nationalen Agentur für die EU-Programme Erasmus+ Jugend in Aktion und Europäisches Solidaritätskorps, die uns durch dick und dünn begleitet und beraten haben.